LIT WALK: Max Czollek liest aus "Zweifelssohn"

18:30 Uhr: Kurzführung im Zeppelin Museum durch die Ausstellung „Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus“
Ab ca. 19:15 Uhr: Lesung im Kiesel im k42
Die Ausstellung „Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus“ im Zeppelin Museum Friedrichshafen und der Debütroman „Zweifelssohn“ von Max Czollek verbindet ein zentrales Anliegen: die kritische Befragung von Erinnerung und ihrer Wirkung in der Gegenwart.
Die Ausstellung zeigt, wie Zeppeline nicht nur technische Errungenschaften waren, sondern gezielt für Propaganda im Nationalsozialismus eingesetzt wurden – und wie diese Verstrickungen nach 1945 beschönigt oder verdrängt wurden. Erinnerung erscheint hier als etwas Gemachtes, das hinterfragt werden muss.
Czollek greift diese Problematik literarisch auf: In „Zweifelssohn“ durchzieht die Vergangenheit die Gegenwart als unterschwellige Gewalt. Der Protagonist erlebt ein Deutschland, in dem Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern fortwirkt – jenseits glatter, beruhigender Erzählungen.
Beide arbeiten mit einem Misstrauen gegenüber solchen „gefühlten Wahrheiten“. Während die Ausstellung historische Narrative dekonstruiert, zeigt Czollek ihre subjektiven Nachwirkungen. Seine Bedeutung für die Erinnerungskultur liegt darin, diese Brüche sichtbar zu machen und Erinnerung als gegenwärtige, politische Praxis zu begreifen.
Zum Roman „Zweifelssohn“
„Wenn der Wind um die Ecken fegte, glaubte er, die Gegenwart um Luft ringen zu hören.“
Der Protagonist Zweifelssohn – wie der jüdische Aufklärer Mendelssohn, aber mit Zweifel – reist von Wien über verschiedene deutsche Städte bis nach Rügen und ist dabei immer auch auf der Flucht vor einer Welt, die der eigenen Gewalt nicht mehr entkommen kann. »Zweifelssohn« ist der poetische, witzige und verzweifelt optimistische Debütroman von Max Czollek.
Zweifelssohn begleiten auf seiner Reise die Spuren einer Gewalt, egal ob in der Bahn, bei einem Abendessen mit Fremden, im Urlaub mit der Freundin oder einsam in Hotelzimmern. Das hat mit einem jüdischen Blick auf Deutschland zu tun, von dem Zweifelssohn nicht lassen kann, dem er zugleich ausgeliefert ist. Er ist versucht, sich bei seiner Reise Richtung Norden an die Oberflächen zu klammern – an Mode, Musik, Exzess. Aber immer lauter wird die Gewalt, drängt sich auf als wäre sie der Blick in eine nahende Zukunft, selbst wenn man versucht, die Augen davor zu verschließen. Ähnlich wie beim Propheten Jeremias, in dessen Leben Zweifelssohn sich selbst nicht finden möchte und doch wiedererkennt, dessen Untergangsvisionen er zurückweist und doch aktualisiert. Max Czollek ringt in seinem ersten Roman mit einer Gegenwart zwischen Popliteratur und Untergangsvision, wie es sonst wohl kaum jemand vermag. Emotional, voller bitterbösem Humor und hochgradig aktuell!
Über Max Czollek
Max Czollek, geb. 1987, ist Autor und lebt in Berlin. Er ist Mitherausgeber des Magazins Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart, Mitglied des Lyrikkollektivs G13 und Kurator beim Haus der Kulturen der Welt Berlin, Stadtschreiber zu Rheinsberg und DAAD Distinguished Chair in Contemporary Poetics, New York 2024. „Zweifelssohn“ ist sein erster Roman.
Eine Veranstaltung des Amt für Kunst und Kultur Friedrichshafen in Kooperation mit dem Zeppelin Museum.
Veranstaltungsort & Veranstalter
Veranstaltungsort
Kiesel im k42
Karlstraße 42
88045 Friedrichshafen
Tel. +49 7541 203-53300
kulturbuero@friedrichshafen.de
Veranstalter
Kulturbüro Friedrichshafen
Olgastraße 21
88045 Friedrichshafen
Tel. +49 7541 203-53300
kulturbuero@friedrichshafen.de
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